
Kapitel 30
Erdmännchen
Das Ende
Der Heisere wachte schweißgebadet auf. „Aaah, was für ein Glück. Nur ein Traum! Aber sehr realistisch.
Aber dieser Albtraum zeigte ihm nur, dass es an der Zeit war etwas zu unternehmen. Er musste die Angelegenheit endlich selbst in die Hand nehmen.
Zwei Tage später. Jürgen Smizker saß in seinem Büro an seinem Schreibtisch, kaute an einem Bleistiftende und hing seinen Gedanken nach. Was war denn das nun wieder für eine Sache? Gabriel van Claasen tot in der Wohnung von Sophie Fischer, mit aufgeschlitzter Kehle in Lene Fischers Bett. Wenn er nicht selbst wüsste, dass dies der Realität entsprach, hätte er angenommen, dass diese Geschichte aus einem schlechten Schundroman stammte. Na ja, die Spusi, wie die Spurensicherung liebevoll genannt wurde, hatte die Wohnung von Sophie Fischer auf den Kopf gestellt. Leider hatte sie nichts gefunden was in irgendeiner Weise auf den Mord von Van Claasen hinwies. Es waren auch alle Bewohner der Wohnung, einschließlich des Freundes von Sophie Fischer, der seines Zeichens auch Anwalt war, vernommen worden. Keiner dieser Personen war die Tat zuzutrauen. Erstens war kein Motiv vorhanden, es gab keine Verbindung zu van Claasen, außerdem sprach die Ausführung der Tat ebenfalls gegen diese Personen als Täter. Es war die Tat eines eiskalten, brutalen Profis. Was van Claasen in der Wohnung gewollt hatte und wer in ausgerechnet da umgebracht hatte war für Jürgen Smizker erstmal ein Buch mit sieben Siegeln. Aber wer weiß, vielleicht ließ sich die Sache ja doch noch aufklären. Er hatte jetzt jedenfalls Wichtigeres zu tun als hier zu sitzen und zu grübeln. Er stand auf, warf den Bleistiftstummel in den Papierkorb und verschwand aus der Tür.
Der Heisere stand gegenüber vom Eingang zum Haus von Sophie Fischer, Lenes Schwester. Er sah verändert aus. Er trug eine Pudelmütze auf dem Kopf, Schnauz- und Kinnbart waren verschwunden, eine dunkle Brille beschattete seine Augen.
Seine Pistole trug er locker in seinem Schulterhalfter, damit er sie schnell ziehen konnte. Was er vorhatte war im Grunde eine Verzweiflungstat. Dies war ihm auch bewusst. Aber er sah keine andere Möglichkeit. Außerdem hatte seine Geduld ihre Grenze erreicht. Er würde den Anschlag auf Lene Fischers Leben selbst in die Hand nehmen. Seine Leute hatten sich als die totalen Versager herausgestellt. Ihnen würde er einen solchen Auftrag nicht mehr erteilen. Es stand einfach zu viel auf dem Spiel.
Er wusste, dass ein Polizist als Schutz für Lene Fischer abgestellt war. Eigentlich kein so großes Risiko für einen schnellen, überraschenden Angriff. Das Überraschungsmoment war sein großes Plus. Wenn die Zeugin aus dem Haus trat würde er einfach auf sie zugehen, die Pistole ziehen, Lene Fischer niederschießen, sein neben dem Hauseingang am Bordstein geparktes Motorrad besteigen … er wäre in Sekundenschnelle verschwunden. Kein noch so gut ausgebildeter Polizist hatte das Reaktionsvermögen um dies zu verhindern.
Er schaute die Straße hinunter. Vor dem Schaufenster des Elektrogeschäftes standen ein Mann und eine Frau und schauten die Auslage an. Etwas seitlich von ihm kamen zwei junge Männer plaudernd den Bürgersteig entlang. Auch sonst gab es in der Straße viel Personenverkehr. Tja, war eine Geschäftsstraße, kein Wunder also.
Gegenüber öffnete sich die Haustüre. Lene Fischer und der Möchtegern-Regisseur traten auf die Straße. Der Heisere zog seine Pistole aus dem Schulterhalfter, schritt entschlossen auf Lene Fischer zu … und sah sich im nächsten Moment von vier Personen umgeben, die alle eine Pistole auf ihn richteten.
„Lassen Sie die Waffe fallen!“, tönte es ihm entgegen. Es war der Mann, der mit der Frau vor dem Elektroladen gestanden hatte, der ihm diese Worte entgegen rief.
Überrascht reagierte der Heisere unwillkürlich auf den Zuruf und ließ seine Waffe fallen. Ehe er sich versah waren seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Aus einer Seitenstraße kam ein Polizeifahrzeug, hielt neben ihm und den Polizeibeamten und der Heisere wurde in das Fahrzeug verfrachtet. Der Weg ging direkt zum Polizeipräsidium.
Auf dem Polizeipräsidium wurde nicht lange abgewartet. Der Heisere kam direkt in den Verhörraum. Kurze Zeit später erschien Jürgen Smizker in Begleitung eines anderen Polizeibeamten und stellte sich mit den Worten vor: „Smizker mein Name. Polizeioberinspektor. Und Sie sind also derjenige der in unserer schönen Stadt am helllichten Tag Leute über den Haufen schießen will. Sie haben wohl nicht mit dieser Bewachung unserer Zeugin gerechnet? Tja, ich gehe eben auf Nummer Sicher. Vernünftig wie man sehen kann.“
Smizker nahm dem Heiseren gegenüber Platz, Kollege Menzel setzte sich neben seinen Chef und schaltete das bereitgestellte Tonbandgerät ein.
Smizker hatte die Gesamtsituation überdacht und sich entschlossen die Bewachung von Lene Fischer um vier Polizeibeamte pro Schicht zu erhöhen. Wie jetzt zu sehen war ein geschickter Schachzug. Die SOKO Stick saß nach dem Verhör von Richard Sommer, wie er laut seiner Aussage und Ausweispapieren hieß, zusammen, um den Fall zu besprechen. Glücklicherweise schien Richard Sommer durch seine unerwartete Festnahme so erschüttert und verunsichert zu sein, dass er zu Beginn des Verhörs redete wie ein Wasserfall. Dann schien er sich zu fangen, verlangte einen Anwalt und verweigerte die Aussage.
Immerhin hatte er schon einen gewissen Ben Kuwalski genannt, der in seinem Auftrag den vorangegangenen Anschlag auf Lene Fischer organisiert hatte. Auch den Namen des Mörders an Fabian Geren hatte Sommer ausgeplaudert. Nach beiden Männern liefen die Fahndungen.
Ben Kuwalski war der SOKO schon bekannt. Er war der Freund der toten Joggerin, Svenja Weinmann, gewesen. Ein Punkt an dem man bei Festnahme von Ben Kuwalski noch mal nachhaken konnte.
Auf die Frage ob er den Bankchef Van Claasen kenne verneinte der Festgenommene. Er musste Van Claasen gekannt haben. Es waren ihm aber keine Informationen mehr zu entlocken. Auch über diesen Punkt musste Richard Sommer noch mal eingehender vernommen werden.
„Jedenfalls haben wir mit der Festnahme von Richard Sommer den entscheidenden Fang gemacht“, resümierte Jürgen Smizker. „Er scheint der Mann zu sein bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein bis wir den Fall gelöst haben.“
Weitere Vernehmungen würden noch mehr Licht in den Fall Stick bringen. Da war sich Jürgen Smizker immerhin sicher.
Einige Tage später sah die Angelegenheit auch schon besser aus. Der besagte Ben Kuwalski war gefasst worden. Auf offener Straße, nichts ahnend, war er einer Polizeistreife in die Hände gefallen. Er leistete im Verhör nicht viel Widerstand und klärte die Polizeibeamten auch über den Mord an Fabian Geren auf. Der Mörder Fabians, Giovanni Napolitano, würde schnell gefasst sein. Ihn hatte die Polizei in der Verbrecherkartei. Sein Fahndungsfoto hing überall aus.
Was Jürgen Smizker aber am meisten überraschte war, dass er einen „Maulwurf“ in der Abteilung sitzen hatte, der Ben Kuwalski mit Informationen zum Fall Stick versorgt hatte. Es war Tom Petersen, mit dem Jürgen Smizker schon viele Jahre zusammen arbeitete. Eine Überraschung und große Enttäuschung zugleich. Wie sich herausstellte war Kollege Petersen, durch Kosten, die durch eine Erkrankung seiner Frau entstanden waren, hoch verschuldet und hatte sich, um diese Schulden abzudecken, mit diesen Kriminellen eingelassen.
Bei weiteren Verhören mit Richard Sommer klärte sich nun auch das Geheimnis des Sticks. Hier waren Daten gespeichert, die bewiesen, dass Gabriel van Claasen an einer groß durchgeführten Geldwäsche beteiligt war. Wie die Daten verrieten war der Auftraggeber ein gewisser Giovanni Messana, ein bekannter Mafia-Boss. Um diese Sachlage zu klären müssten die italienischen Kollegen eingeschaltet werden. Für die italienische Polizei natürlich Informationen über die sie begeistert wären. Bisher waren dem Mafia-Boss keine kriminellen Machenschaften nachzuweisen gewesen. Nun würden die Italiener etwas gegen ihn in der Hand haben.
Der Verdacht lag jetzt sehr nahe, dass der Mord an Gabriel van Claasen von dem Mafia-Boss in Auftrag gegeben worden war, um einen wichtigen Mitwisser loszuwerden. Die Klärung dieser Frage konnte man aber glücklicherweise auch den Italienern überlassen.
Zwei Wochen später lagen Jürgen Smizker die Ergebnisse der italienischen Polizei auf dem Schreibtisch. Alle Akten waren von der deutschen Polizeibehörde ins Deutsche übersetzt, sodass es für den Oberinspektor kein Problem war, die Akten in Ruhe zu studieren.
Die italienischen Kollegen hatten Giovanni Messana festgesetzt und ihn mit den unwiderlegbaren Beweisen der kopierten Belege der Bank van Claasen konfrontiert. Fassungslos gegenüber dem Berg an Beweisen war er zusammengebrochen. Er gestand auch, dass er den Mord an dem Bankier van Claasen in Auftrag gegeben hatte. Van Claasen war zu einem Schwachpunkt in der Organisation geworden, den es auszuschalten galt. Sein gedungener Killer saß auch schon in Gewahrsam. Zusätzlich war es gelungen die gesamte Organisation Giovanni Messanas zu zerschlagen. Giovanni Messana und seinen Gefolgsleuten standen lange Gefängnisstrafen bevor. Ein Erfolg auf der ganzen Linie. Ein offizielles Dankesschreiben der Italiener an Jürgen Smizker und sein Team würde folgen. Jürgen Smizker fühlte sich geehrt.
Die Helfershelfer des Bankchefs van Claasen waren dingfest gemacht, der Heisere und seine Gang saßen ein. Auch sie würden lange nicht die Freiheit erleben dürfen.
Helene bekam die Mitteilung, dass die Gefahr gebannt sei, sie brauchte jetzt nur noch auf die Gerichtsverhandlung zu warten um ihre Aussage zu machen. Danach würde sich für sie der Vorhang des Ganzen schließen. Sie war froh diese aufregenden Erlebnisse hinter sich zu haben und freute sich auf ihre nächsten Aufnahmen zu „Apache Bones“, mit denen alles angefangen hatte. Das für sie doch Positive an der ganzen Geschichte war, dass sie und ihr langjähriger Freund Steve, ein Paar geworden waren.
Aber dieser Albtraum zeigte ihm nur, dass es an der Zeit war etwas zu unternehmen. Er musste die Angelegenheit endlich selbst in die Hand nehmen.
Zwei Tage später. Jürgen Smizker saß in seinem Büro an seinem Schreibtisch, kaute an einem Bleistiftende und hing seinen Gedanken nach. Was war denn das nun wieder für eine Sache? Gabriel van Claasen tot in der Wohnung von Sophie Fischer, mit aufgeschlitzter Kehle in Lene Fischers Bett. Wenn er nicht selbst wüsste, dass dies der Realität entsprach, hätte er angenommen, dass diese Geschichte aus einem schlechten Schundroman stammte. Na ja, die Spusi, wie die Spurensicherung liebevoll genannt wurde, hatte die Wohnung von Sophie Fischer auf den Kopf gestellt. Leider hatte sie nichts gefunden was in irgendeiner Weise auf den Mord von Van Claasen hinwies. Es waren auch alle Bewohner der Wohnung, einschließlich des Freundes von Sophie Fischer, der seines Zeichens auch Anwalt war, vernommen worden. Keiner dieser Personen war die Tat zuzutrauen. Erstens war kein Motiv vorhanden, es gab keine Verbindung zu van Claasen, außerdem sprach die Ausführung der Tat ebenfalls gegen diese Personen als Täter. Es war die Tat eines eiskalten, brutalen Profis. Was van Claasen in der Wohnung gewollt hatte und wer in ausgerechnet da umgebracht hatte war für Jürgen Smizker erstmal ein Buch mit sieben Siegeln. Aber wer weiß, vielleicht ließ sich die Sache ja doch noch aufklären. Er hatte jetzt jedenfalls Wichtigeres zu tun als hier zu sitzen und zu grübeln. Er stand auf, warf den Bleistiftstummel in den Papierkorb und verschwand aus der Tür.
Der Heisere stand gegenüber vom Eingang zum Haus von Sophie Fischer, Lenes Schwester. Er sah verändert aus. Er trug eine Pudelmütze auf dem Kopf, Schnauz- und Kinnbart waren verschwunden, eine dunkle Brille beschattete seine Augen.
Seine Pistole trug er locker in seinem Schulterhalfter, damit er sie schnell ziehen konnte. Was er vorhatte war im Grunde eine Verzweiflungstat. Dies war ihm auch bewusst. Aber er sah keine andere Möglichkeit. Außerdem hatte seine Geduld ihre Grenze erreicht. Er würde den Anschlag auf Lene Fischers Leben selbst in die Hand nehmen. Seine Leute hatten sich als die totalen Versager herausgestellt. Ihnen würde er einen solchen Auftrag nicht mehr erteilen. Es stand einfach zu viel auf dem Spiel.
Er wusste, dass ein Polizist als Schutz für Lene Fischer abgestellt war. Eigentlich kein so großes Risiko für einen schnellen, überraschenden Angriff. Das Überraschungsmoment war sein großes Plus. Wenn die Zeugin aus dem Haus trat würde er einfach auf sie zugehen, die Pistole ziehen, Lene Fischer niederschießen, sein neben dem Hauseingang am Bordstein geparktes Motorrad besteigen … er wäre in Sekundenschnelle verschwunden. Kein noch so gut ausgebildeter Polizist hatte das Reaktionsvermögen um dies zu verhindern.
Er schaute die Straße hinunter. Vor dem Schaufenster des Elektrogeschäftes standen ein Mann und eine Frau und schauten die Auslage an. Etwas seitlich von ihm kamen zwei junge Männer plaudernd den Bürgersteig entlang. Auch sonst gab es in der Straße viel Personenverkehr. Tja, war eine Geschäftsstraße, kein Wunder also.
Gegenüber öffnete sich die Haustüre. Lene Fischer und der Möchtegern-Regisseur traten auf die Straße. Der Heisere zog seine Pistole aus dem Schulterhalfter, schritt entschlossen auf Lene Fischer zu … und sah sich im nächsten Moment von vier Personen umgeben, die alle eine Pistole auf ihn richteten.
„Lassen Sie die Waffe fallen!“, tönte es ihm entgegen. Es war der Mann, der mit der Frau vor dem Elektroladen gestanden hatte, der ihm diese Worte entgegen rief.
Überrascht reagierte der Heisere unwillkürlich auf den Zuruf und ließ seine Waffe fallen. Ehe er sich versah waren seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Aus einer Seitenstraße kam ein Polizeifahrzeug, hielt neben ihm und den Polizeibeamten und der Heisere wurde in das Fahrzeug verfrachtet. Der Weg ging direkt zum Polizeipräsidium.
Auf dem Polizeipräsidium wurde nicht lange abgewartet. Der Heisere kam direkt in den Verhörraum. Kurze Zeit später erschien Jürgen Smizker in Begleitung eines anderen Polizeibeamten und stellte sich mit den Worten vor: „Smizker mein Name. Polizeioberinspektor. Und Sie sind also derjenige der in unserer schönen Stadt am helllichten Tag Leute über den Haufen schießen will. Sie haben wohl nicht mit dieser Bewachung unserer Zeugin gerechnet? Tja, ich gehe eben auf Nummer Sicher. Vernünftig wie man sehen kann.“
Smizker nahm dem Heiseren gegenüber Platz, Kollege Menzel setzte sich neben seinen Chef und schaltete das bereitgestellte Tonbandgerät ein.
Smizker hatte die Gesamtsituation überdacht und sich entschlossen die Bewachung von Lene Fischer um vier Polizeibeamte pro Schicht zu erhöhen. Wie jetzt zu sehen war ein geschickter Schachzug. Die SOKO Stick saß nach dem Verhör von Richard Sommer, wie er laut seiner Aussage und Ausweispapieren hieß, zusammen, um den Fall zu besprechen. Glücklicherweise schien Richard Sommer durch seine unerwartete Festnahme so erschüttert und verunsichert zu sein, dass er zu Beginn des Verhörs redete wie ein Wasserfall. Dann schien er sich zu fangen, verlangte einen Anwalt und verweigerte die Aussage.
Immerhin hatte er schon einen gewissen Ben Kuwalski genannt, der in seinem Auftrag den vorangegangenen Anschlag auf Lene Fischer organisiert hatte. Auch den Namen des Mörders an Fabian Geren hatte Sommer ausgeplaudert. Nach beiden Männern liefen die Fahndungen.
Ben Kuwalski war der SOKO schon bekannt. Er war der Freund der toten Joggerin, Svenja Weinmann, gewesen. Ein Punkt an dem man bei Festnahme von Ben Kuwalski noch mal nachhaken konnte.
Auf die Frage ob er den Bankchef Van Claasen kenne verneinte der Festgenommene. Er musste Van Claasen gekannt haben. Es waren ihm aber keine Informationen mehr zu entlocken. Auch über diesen Punkt musste Richard Sommer noch mal eingehender vernommen werden.
„Jedenfalls haben wir mit der Festnahme von Richard Sommer den entscheidenden Fang gemacht“, resümierte Jürgen Smizker. „Er scheint der Mann zu sein bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein bis wir den Fall gelöst haben.“
Weitere Vernehmungen würden noch mehr Licht in den Fall Stick bringen. Da war sich Jürgen Smizker immerhin sicher.
Einige Tage später sah die Angelegenheit auch schon besser aus. Der besagte Ben Kuwalski war gefasst worden. Auf offener Straße, nichts ahnend, war er einer Polizeistreife in die Hände gefallen. Er leistete im Verhör nicht viel Widerstand und klärte die Polizeibeamten auch über den Mord an Fabian Geren auf. Der Mörder Fabians, Giovanni Napolitano, würde schnell gefasst sein. Ihn hatte die Polizei in der Verbrecherkartei. Sein Fahndungsfoto hing überall aus.
Was Jürgen Smizker aber am meisten überraschte war, dass er einen „Maulwurf“ in der Abteilung sitzen hatte, der Ben Kuwalski mit Informationen zum Fall Stick versorgt hatte. Es war Tom Petersen, mit dem Jürgen Smizker schon viele Jahre zusammen arbeitete. Eine Überraschung und große Enttäuschung zugleich. Wie sich herausstellte war Kollege Petersen, durch Kosten, die durch eine Erkrankung seiner Frau entstanden waren, hoch verschuldet und hatte sich, um diese Schulden abzudecken, mit diesen Kriminellen eingelassen.
Bei weiteren Verhören mit Richard Sommer klärte sich nun auch das Geheimnis des Sticks. Hier waren Daten gespeichert, die bewiesen, dass Gabriel van Claasen an einer groß durchgeführten Geldwäsche beteiligt war. Wie die Daten verrieten war der Auftraggeber ein gewisser Giovanni Messana, ein bekannter Mafia-Boss. Um diese Sachlage zu klären müssten die italienischen Kollegen eingeschaltet werden. Für die italienische Polizei natürlich Informationen über die sie begeistert wären. Bisher waren dem Mafia-Boss keine kriminellen Machenschaften nachzuweisen gewesen. Nun würden die Italiener etwas gegen ihn in der Hand haben.
Der Verdacht lag jetzt sehr nahe, dass der Mord an Gabriel van Claasen von dem Mafia-Boss in Auftrag gegeben worden war, um einen wichtigen Mitwisser loszuwerden. Die Klärung dieser Frage konnte man aber glücklicherweise auch den Italienern überlassen.
Zwei Wochen später lagen Jürgen Smizker die Ergebnisse der italienischen Polizei auf dem Schreibtisch. Alle Akten waren von der deutschen Polizeibehörde ins Deutsche übersetzt, sodass es für den Oberinspektor kein Problem war, die Akten in Ruhe zu studieren.
Die italienischen Kollegen hatten Giovanni Messana festgesetzt und ihn mit den unwiderlegbaren Beweisen der kopierten Belege der Bank van Claasen konfrontiert. Fassungslos gegenüber dem Berg an Beweisen war er zusammengebrochen. Er gestand auch, dass er den Mord an dem Bankier van Claasen in Auftrag gegeben hatte. Van Claasen war zu einem Schwachpunkt in der Organisation geworden, den es auszuschalten galt. Sein gedungener Killer saß auch schon in Gewahrsam. Zusätzlich war es gelungen die gesamte Organisation Giovanni Messanas zu zerschlagen. Giovanni Messana und seinen Gefolgsleuten standen lange Gefängnisstrafen bevor. Ein Erfolg auf der ganzen Linie. Ein offizielles Dankesschreiben der Italiener an Jürgen Smizker und sein Team würde folgen. Jürgen Smizker fühlte sich geehrt.
Die Helfershelfer des Bankchefs van Claasen waren dingfest gemacht, der Heisere und seine Gang saßen ein. Auch sie würden lange nicht die Freiheit erleben dürfen.
Helene bekam die Mitteilung, dass die Gefahr gebannt sei, sie brauchte jetzt nur noch auf die Gerichtsverhandlung zu warten um ihre Aussage zu machen. Danach würde sich für sie der Vorhang des Ganzen schließen. Sie war froh diese aufregenden Erlebnisse hinter sich zu haben und freute sich auf ihre nächsten Aufnahmen zu „Apache Bones“, mit denen alles angefangen hatte. Das für sie doch Positive an der ganzen Geschichte war, dass sie und ihr langjähriger Freund Steve, ein Paar geworden waren.














